… mehr Teufelsmoor

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Teufelsmoor als Dorf und Landschaft

Dorf und Landschaft Nördlich von Bremen liegt die Landschaft Teufelsmoor. Sie umfasst die Hammeniederung und Teile der Wümme- und Osteniederung und ist ein Mosaik aus Hoch- und Niedermooren. Mit insgesamt 360 km ist es das größte Moorgebiet Norddeutschlands. Im frühen Mittelalter wurde das Moor als schwarz, unbewachsen, unfruchtbar und unpassierbar beschrieben. Aber vom Geestrand und von den Wasserlufen her wurden Teile sicher schon seit Urzeiten genutzt. Seit etwa 300 Jahren trägt dieses Gebiet und das Dorf den Namen Teufelsmoor.

Das Dorf ist allerdings eine viel ältere mittelalterlichen Gründung des Marienklosters Osterholz. Moorkolonisation im 13. Jahrhundert, lange bevor Findorff im 18. Jahrhundert in großem Stil das Moor erschloss und besiedelte! Der Name entstand aus der niederdeutschen Bezeichnung duves = taubes, unfruchtbares Moor. Daraus hat sich im niederdeutsche Sprachgebrauch Duffelsmoor und dann Dwelsmoor entwickelt. Erst im 18. Jahrhundert seit J. Chr. Findorff wurde daraus hochdeutsch – unrichtig übersetzt – Teufelsmoor.

Seit 1974 gehrt das Dorf Teufelsmoor zur Stadt Osterholz-Scharmbeck, die wie Worpswede mit dem Namen Teufelsmoor für den Tourismus wirbt. Entstehung der Moore Seit etwa 10.000 Jahren wuchsen in den Senken Norddeutschlands, die die letzte Eiszeit hinterlassen hat, Moore. Ideale Voraussetzungen fr deren Wachstum waren überall dort, wo die Niederschlagsmengen grer waren als die Verdunstung und wo Wasser schlecht abfließen konnte. Durch die abgestorbenen Reste von Sumpfpflanzen entstanden zuerst Niederungsmoore, auf denen in den letzten 4 – 5000 Jahren Hochmoore wuchsen, aus wenigen Pflanzenspezialisten wie Torfmoosen, deren Nahrungsquellen nur das Niederschlagswasser und die Gase der Luft sind. Insbesondere der Kohlenstoff der Luft wird in großer Menge beim Wachsen des Moores gebunden.

Torf entsteht aus den abgestorbenen Pflanzenresten immer dann, wenn das Wasser bis an die Oberfläche der Pflanzen reicht. Man rechnet für die Entstehung pro Meter Torfmoor ca. 1000 Jahre. Zwar wachsen die oberen Weitorfschichten schneller, verdichten sich aber später unter dem Gewicht der nachwachsenden Schichten. Hochmoor heißt also nicht, dass ein Moor hoch liegt, sondern das es über das Niedermoor hinaus hoch gewachsen ist. In den Bergen, z.B. in den Alpen oder in Schottland gibt es zwar hoch liegende Moore, doch das sind sog. Hangmoore.

Moore oder ähnliche Ökosysteme waren auch die Produzenten der fossilen Brennstoffe wie Erdöl, Stein- und Braunkohle. Unsere Moore sind die einzigen noch heute arbeitenden Kohlenstoffdeponien – wenn sie denn noch leben! Diese wichtige Bedeutung der Moore wird immer noch stark unterschätzt. Kein gutes Klima! Ausbeutung des Moores Torf war für Jahrhunderte Existenzgrundlage der Moorbauern.

Groe Flächen sind so bis auf Restschichten abgetorft worden und heute in landwirtschaftlicher Nutzung, überwiegend als Grünland. Die oberste Torfschicht ist fast überall abgegraben. Seit Beginn des letzten Jahrhunderts wird Torf zunehmend gewerblich in großem Stil industriell abgebaut. Dabei geht es nicht mehr um die Existenz armer Moorbauern, sondern um Raubbau an der Landschaft zum Nutzen einiger Weniger.

So war das Günnemoor, noch bis 1920 völlig unberührt. Heute klafft dort, wo das Moor bis zu 7 Metern Mächtigkeit hatte, ein 24 ha groes Loch.Und die Atmosphre ist dadurch um 240.000 t CO2 reicher!

Bekanntheit des Teufelsmoores
Weite Horizonte, weiter Himmel, bis vor einigen Jahren im Winter weite Wasserflächen. So haben die ersten Maler von Worpswede aus im 19. Jahrhundert das Teufelsmoor entdeckt, geliebt und gemalt. Teufelsmoor ist ein sehr einprgsames Wort und eine einprägsame Landschaft. Kein Wunder, dass das Wort weit über die Region hinaus bekannt ist. Auch wenn inzwischen an vielen Stellen hoher Baumbewuchs den Blick ins Weite versperrt, die typischen Birkenreihen vielerorts den Vielfaltsbedürfnissen der Landschaftsplaner zum Opfer fielen und die Schiffsgraben in reine Entwässerungsrinnsale ohne die alten, schönen Holzbrücken verkümmerten.

Glücklicherweise lassen sich die Birken nicht ganz verdrängen. Sie wären neben dem Wort Teufelsmoor wert, ein Markenzeichen der Gegend zu werden. Das Dorf Teufelsmoor selbst hat sich dabei bisher so weit zurückgehalten, dass die wenigsten wissen, dass es ein Dorf gleichen Namens gibt, mit einer langen und interessanten Geschichte. Tourismus Worpswede wird schon seit seinem Wandel zum Künstlerdorf mit dem Teufelsmoor in Verbindung gebracht und wirbt vielfältig mit diesem Namen. Auch Osterholz – Scharmbeck wirbt seit Jahrzehnten mit dem Slogan Gartenstadt am Teufelsmoor.

Seit 1974 gehrt das Dorf als Ortsteil zur Stadt. Heute gibt es ein Netzwerk aus Touristikagenturen, Gemeinden und dem Landkreis, das mit diesem Namen versucht, für einen sanften Tourismus im Teufelsmoor zu werben. Es gibt wieder braune Segel auf der Hamme und der Moorexpress tönt mit seinen Warnsignalen an jedem Bahnübergang weit übers Land. Das 24 ha groe Loch im Günnemoor, entstanden durch den Torfabbau, ist inzwischen teilweise vernässt und im Herbst Rastplatz für tausende Kraniche.

Geplanter Torfabbau gescheitert!
2007 wurde allen Ernstes geplant und beantragt, mitten im Dorf Teufelsmoor 10 ha Torf bis zu drei Meter tief abzubauen. Außer der Abbaufirma und dem Eigentümer der Fläche wollten das bestenfalls einige Eigentümer weiterer abbaufähiger Flächen. Entscheiden muss solche Anträge ausgerechnet die Naturschutzbehörde des Landkreises. Nach dem Niedersächsischen Naturschutzgesetz (NNatG) 17 – 19 hätte sie das genehmigen müssen, weil es sich nicht um ein Naturschutzgebiet handelt und ein Bebauungsplan fehlt. Die Anwohner wehrten sich vehement dagegen, das wäre das Ende des Teufelsmoores und das wollten alle verhindern!

Aus der Erkenntnis, dass allein aus diesem kleinen Abbauvorhaben 50 000 t CO2 freigesetzt werden, entstand die Idee zu unserem Verein Initiative Teufelsmoor. Klimaschädlichkeit durch Torfabbau, das geht alle an! Auch die Kreisverwaltung Osterholz sah in der weiteren Abtorfung den Tod des Teufelsmoores und entwickelte die Vision Teufelsmoor. So schafften wir gemeinsam, dass es jetzt im Landkreis Osterholz keinen Torfabbau mehr geben wird. Wäre die beantragte kleine Fläche genehmigt worden, hätten andere Eigentümer mit gleichem Recht nachgezogen und dem Teufel wäre das Moor abhanden kommen. Im neuen Landesraumordnungsprogramm ist jetzt aufgrund der gemeinsamen Bemühungen im Landkreis Osterholz kein Vorranggebiet für den Torfabbau mehr vorgesehen. Im gesamten Teufelsmoor gibt nur noch eine einzige unberührte, d.h. nicht entwässerte und nicht abgetorfte Fläche, das Naturschutzgebiet Huvenhoopsmoor mit 1370 ha im Altkreis Bremervörde. Fast alle anderen Naturschutzflächen im Teufelsmoor sind ganz oder teilweise abgetorft. Aber es gibt noch große Flächen nicht abgetorfter, entwässerter, landwirtschaftlich genutzter Grünflchen, die nicht unter Naturschutz stehen, auch hier im Dorf Teufelsmoor.

Das Ziel der Initiative Teufelsmoor ist es, Geldgeber zu überzeugen, Mittel für den Ankauf dieser Flächen zu spenden. Damit würde eine Grundlage gelegt, eine Landschaft zu erhalten und zu renaturieren, die einst so typisch war für Norddeutschland.